Jahresendapokalypse – Ausgabe 2017

Jahresrückblick –  weil: was schreibt man sonst Mitte Dezember in einen Blog?


Es ist wieder einmal so weit. Das Jahr, welches gerade erst begonn, hat seinen Lebensabend schnell erreicht und lächelt uns am Ende noch einmal milde zu. Doch halt, was sehen meine müden Augen? Weihnachtsstress, schreiende Kinder auf zu vollen Weihnachtsmärkten, gestresste Mütter, entnervte Väter, panische Ehemänner, verzückte Touristen und „wir sind an Heiligabend bis 13 Uhr für sie da!“.

Nun, mit Weihnachten hat dieses apokalyptische Verhalten recht wenig zu tun. Gehetzt werden wir uns unseres spärlichen Geldbeutels bewusst, denn „Geiz ist geil“ war gestern. Wer braucht schon Besinnlichkeit und Nächstenliebe, wenn er die neuste Konsole, den teuersten Schmuck, das beste Smartphone, unter dem Baum liegen haben kann? Es wird sich gegenseitig in Geschenken ertränkt und der Sinn von Weihnachten geht in alle dem völlig unter.

Durchatmen. Verweilen. Ruhe.

Das Weihnachtsbäumlein
Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzlein:
Das war am Weihnachtsfest so grün
als fing es eben an zu blühn.

Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stands im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war,ach,dahingeschwunden.
die grünen Nadeln warn’n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.

Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm –
Hei! Tats da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.

Christian Morgenstern


Ein kleiner Rückblick.

Das Jahr 2017 war hier und dort mein ganz persönliches Waterloo: im Januar beendete ich meine Ausbildung mit einem Top-Abschlussprojekt – und wurde dennoch nicht übernommen. Zwischen Februar und April lernte ich viele tolle Menschen kennen – alle über Twitter. Im April begann ich dann ein Physik Studium – welches ich abbrechen musste, da ich nicht so gut klar kam, wie erhofft. August hielt für mich ein wundervolles Highlight bereit: Urlaub an der Ostsee in der Nähe von Schleswig. Ein Traum. Der Besuch der Ausgrabungsstätte in Schleswig des alten Wikinger-Hafens Haithabu bestätigte mich in meinem Vorhaben, Skandinavistik zu studieren. Im September das 3. wundervolle Twitter-Treffen Kölsch-Gezwitscher mit lieben Freunden und neuen Gesichtern. Im Oktober begann ich nun endlich Skandinavistik und Deutsche Sprache und Literatur (kurz: Germanistik) in Köln zu studieren – bisher bin ich damit auch ganz zufrieden. Es wird wohl etwas dauern, bis ich davon wirklich entnervt sein sollte.

Bei vielen Menschen möchte ich mich bedanken, dass sie mein 2017 zu etwas besonderem gemacht haben:

Zwischen April und heute habe ich mich mehrfach verliebt, und bin genauso oft auf die Schnauze gefallen. Aber auch das gehört zu einem aufregenden 2017 dazu. Insbesondere einen Moment mit jemandem in 2017 möchte ich nicht missen – auch, wenn es mir im Nachhinein immer noch schwer fällt, den Ausgang des ganzen zu verarbeiten, war es eines der schönsten Erlebnisse dieses Jahr. Es bedeutet mir sehr viel. Danke dafür.

Ich habe zwei Mal einen sehr guten Freund in der Nähe von München besucht übers Wochenende und auch, wenn die Zugfahrt mir beim zweiten Mal fast das finanzielle Genick gebrochen hat, war es das mehr als wert. Dort habe ich weitere tolle neue Menschen kennengelernt, die genauso verrückt sind wie ich und bei denen ich mich wohlfühle, ohne wenn und aber. Dankeschön.

Viele Menschen, die ich kennen gelernt habe, haben mich stark verändert im letzten Jahr. Ich bin selbstbewusster geworden, aber auch selbstkritischer. Danke auch dafür.

Nicht nur charakterlich habe ich mich verändert, sondern auch physisch: es begann alles Ende April mit meinem ersten Piercing (ein Helix am rechten Ohr), dann eine neue Haarfarbe vor zwei Wochen (wunderschönstes Rot!) und in den nächsten Wochen wohl mein erstes Tattoo. Zudem habe ich einige Kilos, die ich durch das Absetzen der Pille – nach 11 Jahren endlich komplett frei von künstlichen Hormonen! – zugelegt hatte, verlieren können. Ein großer Gewinn für mich, wodurch ich mich wieder etwas besser fühle als noch vor einigen Monaten.

Nimmt man all das zusammen, war es ein verdammt aufregendes und oftmals stressiges, nervenaufreibendes Jahr für mich. Gerade deswegen suche ich in der Weihnachtszeit nach Ruhe, auch wenn ich es sehr oft nicht schaffe. Der Terminkalender platzt aus allen Nähten und meine Familie fragt mich, ob sie mich denn überhaupt nicht mehr zu Gesicht bekämen. Obwohl das alles nach Stress klingt – was es auch ist – so mache ich das ganze gerne und von ganzem Herzen. Denn ich treffe wunderbare Menschen, die ich so sehr ins Herz geschlossen habe, dass ich sie auf keinen Fall mehr missen möchte. Sei es nun die lustige Glühwein-Crew vom letzten Kölsch-Gezwitscher vergangene Woche, die völlig bekloppte #UkF-Gemeinde oder die unglaublich schöne Runde an Twitterern, unter denen ich mittlerweile den Spitznamen „Die Frau“ weg habe (Danke dafür, ich muss immer noch lachen, wenn ich diesen Spitznamen höre), und mit denen ich sehr gerne sehr viel Zeit verbringe.

Für die Weihnachtstage ist wirklich Ruhe angesagt. Ich werde es mir mit meiner Familie zuhause gemütlich machen und am 2. Weihnachtstag kommt meine liebste Freundin zu Besuch. Pyjama oder Onesie an und bis zum neuen Jahr nach Möglichkeit das Haus nicht mehr verlassen. Heiße Schokolade, Kekse und ein „Sissi“-„Vom Winde verweht“-„Kleiner Lord“-Marathon runden mein Weihnachtspaket ab.

Anstatt draußen herumzulaufen und auf wilde Weihnachtspartys zu gehen sollte man sich einfach bewusst werden lassen, welche Menschen einem wichtig sind und dass man sich wenigstens einmal im Jahr nicht stressen sollte. Es geht nicht um die Geschenke an Weihnachten, nicht um Deadlines, nicht um die Arbeit, nicht um Uni oder Schule – sondern um die Menschen. Vergesst sie nicht, denn man weiß nie, wie viel Zeit mit ihnen bleibt.


Ich wünsche Euch allen eine angenehme restliche Adventszeit, ruhige Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2018!

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