Es ist nicht so leicht mit der Verantwortung 

Von überall her bekommt man zu hören, was man tun und lassen muss, was gut für einen ist, und warum man ganz genau ausgerechnet dies und jenes tun muss, damit man erfolgreich ist und ein vernünftiger und verantwortungsvoller Mensch wird. 

Aber woher nehmen diese Menschen alle das Wissen? Sicher, viele – in diesem Blogpost insbesondere unsere Eltern – sind ein gutes Stück älter als wir, haben mehr Lebenserfahrung und wissen sicherlich wirklich was sinnvoll ist und was nicht. Natürlich vertrauen wir oft und meistens ihrem Urteil, da sie es doch besser wissen müssen – oder etwa nicht? Die Frage die sich mir stellt, ist folgende: woher wollen genau diese Menschen wissen, was gut für mich ist, stecken sie doch nicht in meiner Haut. Oftmals wissen sie genau, was das richtige wäre, allerdings immer nur von ihrem Standpunkt aus. Und woher will man wissen, dass dies auch für andere Personen funktioniert? Die meisten Ratschläge die ich oft zu hören bekomme, damit „aus Dir eine verantwortungsvolle Person wird“ (Zitat meiner Eltern), sind selbstverständlich gut gemeint, funktionieren in vielen Fällen aber einfach nicht für mich. Dies hat nicht nur etwas mit der indivuellen Art einer jeden Person zu tun, sondern auch damit, dass ich in einer völlig anderen Zeit mit völlig anderen Werten und Lebensvorstellungen groß geworden bin und lebe. Nur weil es damals für sie funktioniert hat und es vielleicht heute immer noch tut, heißt das nicht, dass es für mich auch funktioniert. Natürlich bin ich dankbar für ihre Ratschläge, bitte ich sie doch oft genug selbst darum. Allerdings gibt es Ratschläge, die mehr einem Befehl gleichen als einer Hilfestellung. Dies hilft dann meistens nicht.

Hör doch einfach mal auf mich, und mach was ich sage!

Ganz im Gegenteil: in fast allen Fällen fühle ich mich irgendwann unter Druck gesetzt, da man den Erwartungen der Eltern versucht zu entsprechen – und es einfach nicht schafft, da man nun einmal nicht die gleiche Lebenserfahrung besitzt wie sie. Wie soll ich z.B. wissen, wie man eine Steuererklärung macht, wenn ich dies noch nie gemacht habe (um mal ein recht einfaches und triviales Beispiel zu nennen)? Und doch erwarten unsere Eltern und die Gesellschaft von einem, dass man mit Anfang 20 sein Leben perfekt unter Kontrolle hat. Alle waren doch mal am Anfang ihres Lebens – wieso also versucht keiner ein wenig Verständnis aufzubringen für die jungen Leute? 

Es ist halt alles nicht so einfach. 

Ein weiterer Kritikpunkt, welcher mich oft stört, ist interessanterweise genau das Gegenteil von dem, was ich oben schrieb: uns wird nichts zugetraut. Auf der einen Seite werden wir brutal ins kalte Wasser geschmissen, und auf der anderen Seite wird kein Vertrauen in uns gesetzt, es dann auch alleine zu schaffen. Man versucht uns an die Hand zu nehmen, und die schlimmste Sorte davon sind die eigenen Eltern. Auch wenn sie von sich selber sagen, sie haben kein Problem damit, uns gehen zu lassen, so scheinen sie doch ihren eigenen Zerfall in ihren Kindern zu sehen und versuchen daraufhin dies aufzuhalten, in dem sie einem die Flügel stutzen. Bevormundung auf der einen Seite, aber eigentlich soll man als erwachsener Mensch sein Leben mit all seinen Steuern, Versicherungen und Verträgen alleine auf die Reihe bekommen. Irgendwo stimmt da etwas gewaltig nicht.

Es ist nie einfach.

Weder für die Kinder, welche ihren eigenen Lebensstil entwickeln wollen in ihren Zwanzigern, noch für die Eltern, die lernen müssen, dass man das Kind einfach mal machen lassen muss – selbst wenn das heißt, dass das Kind heftig auf die Schnauze fällt und Fehler macht. Aber gehört auch das nicht zum erwachsen werden hinzu? Natürlich bin ich nicht perfekt, ich weiß nicht bereits alles, wie es einem oft vorgeworfen wird – ich weiß, dass ich noch viel lernen muss. 

Du weißt doch sowieso schon alles! Wieso fragst du mich dann?

Verantwortung übernehmen – das sollen wir doch lernen, oder nicht, liebe Eltern? Sollen wir nicht lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, mit eigenen Flügeln zu fliegen, damit wir alsbald das Nest verlassen können um unser Leben dort draußen alleine leben zu können? Sollte es nicht so sein? Es sollte. Und doch ist es das in den seltensten Fällen. Selbst wenn die Kinder ausgezogen sind, kommen tagtäglich Kontroll-Anrufe, es wird immer noch die Wäsche für das Kind gewaschen und am Wochenende soll das Kind natürlich wieder nachhause kommen. Weil das Kind kann doch nicht alleine klarkommen, es verhungert doch sicherlich! All das sind wahre Geschichten, die ich so und ähnlich immer wieder aus Freundes- und Bekanntenkreisen zu hören bekomme. 

Ich frage mich, wie man diese Situation lösen kann, ohne die Eltern, die „es doch nur gut“ meinen, vor den Kopf zu stoßen. Und ohne, dass gleich ein Familiendrama ausgelöst wird. Wir lieben euch Eltern wirklich, aber ihr seid echt anstrengend mit euren Sorgen um uns. 

Vielleicht sollten die Eltern sich einfach mal raushalten – und lernen, dass man Fehler machen lassen und zulassen muss, um voran zu kommen. Auch, wenn es nicht leicht fällt. Denn es ist nie leicht.

Aber was ist denn auch schon leicht im Leben?

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